Unter dem Begriff `Sexualisierte Gewalt´ werden alle sexuellen Handlungen verstanden, die gegen den Willen einer Person durchgeführt werden. Dazu zählen z. B.
Vergewaltigung oder der Versuch, sexuelle Nötigung, sexualisierte Gewalt in der Kindheit, aber auch sexuelle Übergriffe in Behandlungskontexten oder in anderen Abhängigkeitsverhältnissen, sexuelle Misshandlungen oder sexuelle Folter, Zwangsprostitution, sexuelle Bedrohung und Belästigung am Telefon, digital, auf der Straße, in Schule, Ausbildung, Beruf und anderswo.
Wir bezeichnen diese Gewalthandlungen insgesamt als ‚sexualisierte Gewalt´ (anstatt ‚sexuelle Gewalt‘), weil dieser Begriff deutlich macht, dass dabei
Diese Handlungen sind Gewalt und für diejenigen, die ihnen ausgeliefert sind, keine erwünschte Form der Sexualität.
Sexualisierte Gewalt
Sexualisierte Gewalttaten gegen Frauen, Mädchen, trans*, inter* und nicht binäre Personen sind schwerwiegende Menschenrechtsverletzungen. Das Vorkommen dieser Gewalttaten ist weltweit alltäglich und erschreckend immens. Die individuellen und gesellschaftlichen Folgen dieser Gewalt sind in aller Regel in vielerlei Hinsicht gravierend. Verübt werden die Taten fast ausschließlich von Männern.
Der breite gesellschaftliche und politische Aufschrei ob dieser erschütternden Realität mit ihrem alltäglichen Leid und Leiden der Betroffenen sowie vieler weiterer Menschen in ihrem nahen Umfeld, bleibt bisher leider aus. Und damit auch ein gemeinsames aufrichtiges Arbeiten an der Veränderung der gesellschaftlichen Ursachen. Sexualisierte Gewalt wird auch heute noch vielfach eher als ein (bedauernswertes) individuelles Einzelschicksal denn als ein gesellschaftliches und strukturelles Problem bewertet. Das sehen wir anders.
(Mehr Informationen zum Thema erhalten Sie auch unter Zahlen und Fakten)
Vergewaltigung, sexuelle Nötigung und sexualisierte Gewalt in der Kindheit sind nach dem deutschen Strafgesetz Verbrechen und als ebensolche strafbar. Mehr unter Sexualisierte Gewalt – rechtliche Aspekte
Gleichgültigkeit, Ignoranz und Abwehr gegenüber den Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung sowie Vorurteile und falsche Vorstellungen über Vergewaltigungen, sexualisierte Gewalt in der Kindheit und andere sexualisierte Gewalt sind tief in unserer Gesellschaft verwurzelt und halten sich seit langem in den Köpfen der Menschen. Gemeinsam ist ihnen, dass sie sich alle in erster Linie gegen die Betroffenen richten und die Täter hingegen von ihrer Verantwortung entlasten. Die meisten Betroffenen, denen sexualisierte Gewalthandlungen widerfahren, suchen daher den vermeintlichen Grund dafür bei sich: Sie fühlen sich schuldig und/oder schämen sich für das, was ihnen ein anderer zugefügt hat. Viele denken, sie hätten sich nicht genug gewehrt. Fast alle fürchten Vorwürfe und Schuldzuweisungen durch andere.
Statt Zuspruch, Ermutigung und Beistand erfahren viele Betroffene Zurückweisung, Ablehnung und Schuldvorwürfe. Zur ohnehin schweren Last von Verletzung, Beschämung und Demütigung, die sie tragen müssen, kommen oft zusätzlich belastende Vorwürfe und aufgedrängte Ratschläge hinzu. Das erschwert die Lebenssituation von Frauen, Mädchen, trans*, inter* und nicht binären Personen, auf die nach einer schweren Gewalttat – wie nach einer Vergewaltigung – so viele ungeklärte Fragen und Probleme einstürmen und die dringend auf Unterstützung angewiesen sind.
Menschen, die vergewaltigt wurden, müssen auch heute oft noch viele Umwege gehen, wenn sie nach Einfühlung, Schutz und Hilfe suchen. Sehr viele sprechen mit niemandem über die erlebte Gewalt.
Wenn Sie selbst betroffen sind, möchten wir Sie ermutigen, mit Ihren Gefühlen nicht allein zu bleiben.
Wenden Sie sich an eine Person, die Ihnen glauben wird. Sprechen Sie mit einer Mitarbeiterin des Hamburger FRAUEN NOTRUFs.
Viele Betroffene, die sich an uns wenden, haben vorher noch nie oder seit langem nicht mit jemandem über die sexualisierte Gewalterfahrung gesprochen.
Die Folgen sexualisierter Gewalt können auch nach Jahren und Jahrzehnten spürbar sein.
Wir können Sie auch dann unterstützen, wenn die Tat bereits lange Zeit zurück liegt.
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