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Nach einem sexualisierten Übergriff

Eine Vergewaltigung oder ein sexueller Übergriff bedeuten eine schwere Verletzung der Persönlichkeit – ein sogenanntes Trauma. Die erlittenen Erniedrigungen, Beschämungen und Ängste während einer Vergewaltigung oder während des sexuellen Übergriffs, der oft über Jahre andauern kann, hinterlassen tiefe Verletzungen, die häufig nur langsam verheilen. Für betroffene Personen ist ein stützendes Umfeld von besonderer Bedeutung.
Informationen für Angehörige und Vertrauenspersonen

Die meisten Betroffenen, die sexuelle Gewalthandlungen erlitten haben oder noch erleiden, fühlen sich sehr einsam. Der Alltag erscheint ihnen oft unwirklich – als ob sie nicht dazu gehörten.
Die meisten fühlen sich schuldig und schämen sich für das, was ihnen ein Anderer angetan hat. Viele möchten, dass niemand erfährt, was ihnen passiert ist. Viele denken, sie hätten sich besser zur Wehr setzen müssen oder sie hätten irgendetwas `falsch´ gemacht.

Warum das so ist, hat mehrere Gründe.
Ein wichtiger Grund dafür ist, dass bis heute in unserer Gesellschaft meist den von sexualisierter Gewalt Betroffenen Vorwürfe für das Gewalthandeln eines Anderen gemacht werden.
Mehr dazu unter Sexualisierte Gewalt hat viele Gesichter

Niemand hat in Deutschland das Recht, die körperlichen, seelischen und sexuellen Grenzen einer anderen Person gewaltsam zu missachten.
Doch den meisten Betroffenen hier in Deutschland und anderswo auf der Welt fällt es schwer, denjenigen rechtlich zur Verantwortung zu ziehen, der ihnen das Unrecht einer Vergewaltigung angetan hat.

Trotz vieler Erfahrungen, die betroffene Personen nach einer Vergewaltigung teilen können, gibt es sehr unterschiedliche Reaktionen auf eine Vergewaltigung.
Jede Vergewaltigung und jeder sexuelle Übergriff ist anders. Jede betroffene Person ist ein eigener Mensch. Jede der Reaktionen ist daher angemessen.

Reaktionen auf eine Vergewaltigung können u. a. sein:

  • Schlafstörungen und Alpträume
  • Wiederkehrende Bilder und Erinnerungen an die Situation der Vergewaltigung oder des sexuellen Übergriffs
  • Erinnerungslücken
  • Veränderungen im Sexualverhalten
  • Körperliche Stressreaktionen
  • Körperliche Erkrankungen
  • Ekel vor sich selbst
  • Fehlende Lebensfreude, Trauer
  • Selbstvorwürfe
  • Wut auf den/ die Täter
  • Wut auf jeden und alles
  • Veränderungen im Sozial- und Kontaktverhalten
  • Konzentrationsschwäche
  • Gesteigerter Arbeitseifer ebenso wie die Unfähigkeit zu arbeiten
  • Schweigen, Verschlossenheit ebenso wie nicht aufhören können zu reden, über das, was passiert ist

Wenn Sie akut von einer Vergewaltigung betroffen sind, sollten Sie eventuelle körperliche Verletzungen so bald wie möglich ärztlich versorgen lassen.

Versuchen Sie, mit Ihren verletzten Gefühlen und Ihren Ängsten nicht allein zu bleiben. 
Vielleicht haben Sie einen Angehörigen oder einen Menschen in Ihrem Freund*innenkreis, der Ihnen glaubt und dem Sie vertrauen.
Sprechen Sie mit einer Mitarbeiterin der FRAUEN NOTRUF-Fachberatungsstelle. Wir verstehen Ihre Situation und können Sie unterstützen, Ihre Gedanken und Gefühle zu sortieren. Gemeinsam können wir überlegen, wie es weitergeht.

Hören Sie auf Ihre innere Stimme. 
Sie müssen weder sofort wieder normal „funktionieren“ noch zu einem (späteren) Zeitpunkt, den Außenstehende für „normal“ halten. Die psychischen Auswirkungen einer Vergewaltigung sind oft lange spürbar. Die psychische Verarbeitung einer Gewalterfahrung braucht (viel) Zeit.

Versuchen Sie, sich nicht unter Druck zu setzen.
Eine Zeitspanne der Heilung, die für alle gilt, gibt es nicht. Es dauert genau die Zeit, die Sie brauchen. Die Folgen sexueller Gewalthandlungen können auch Jahre später noch spürbar sein. Auch wenn die Vergewaltigung schon Jahre zurückliegt, können Sie sich an die FRAUEN NOTRUF-Beratungsstelle wenden.
Manchmal haben Betroffene erst Tage oder Wochen danach Kraft genug, um sich Anderen mitzuteilen. Manchmal können Betroffene erst Jahre später über ihre Verletzungen sprechen. Manchmal werden die Auswirkungen der Gewalt auch erst sehr viel später bewusst – z.B. in einer Krise oder weil z.B. bei einer ärztlichen Untersuchung danach gefragt wurde.
Gleich zu welchem Zeitpunkt Sie sich an uns wenden: Die FRAUEN NOTRUF-Mitarbeiterinnen unterstützen Sie dabei, den Auswirkungen der Gewalt auf Ihr Leben und Ihre Gesundheit etwas entgegenzusetzen.

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