In unserer Beratungsstelle beraten wir Frauen, Mädchen sowie trans-, inter- und non-binäre Personen, die von sexualisierter Gewalt betroffen sind oder waren, deren Angehörige und Unterstützungspersonen sowie Fachpersonal. Persönliche Beratungsgespräche innerhalb unserer Räumlichkeiten bieten wir für diesen Personenkreis an.
Männer, die sich biologisch und sozial als männlich definieren – sogenannte Cis-Männer – beraten wir als Angehörige, Freunde, Unterstützer oder Fachkräfte auch sehr gerne, dies allerdings telefonisch. In der persönlichen Beratung machen wir dies nur in Ausnahmefällen und nach vorheriger Absprache.
Warum ist das so?
Als feministische Fachberatungsstelle, die ihre Wurzeln in der Neuen Frauenbewegung der 1970er Jahre hat, war und ist es uns wichtig, Frauen und Mädchen als Betroffene von Vergewaltigungen und anderen Formen sexualisierter Gewalt deutlich zu benennen. Gleichzeitig wissen wir, dass es in der Realität eine Vielzahl an Geschlechtsidentitäten gibt und nicht nur zwei Geschlechter – weiblich und männlich.
Sexualisierte Gewalt verstehen wir als Ausdruck patriarchaler Gewalt, die geschlechtsbezogen strukturell, gesellschaftlich und individuell ausgeübt wird. Frauen und Mädchen stellen weltweit zahlenmäßig die weitaus größte Betroffenengruppe dieser Gewalt dar. Trans-, inter- und non-binäre Personen sind ebenfalls massiv von Gewalt und sexualisierter Gewalt betroffen. Aufgrund der Mehrfachdiskriminierung, der sie oftmals ausgesetzt sind, sind sie zudem besonders verletzlich.
Unsere Beratungsstelle verstehen wir als Schutzraum für die Personen, die zu uns kommen. Damit meinen wir, dass wir einen Raum bieten möchten, in dem
Mit der expliziten Benennung von Cis-Männern als weit überwiegende Tätergruppe im Bereich sexualisierter Gewalt gegen Heranwachsende und Erwachsene sprechen wir Täter*innen anderer Geschlechter nicht von ihrer Verantwortung frei. Die Verantwortung für die Gewalt hat immer und uneingeschränkt die gewaltausübende Person.
Unsere Beratungs- und Unterstützungsangebote sind für Betroffene unabhängig davon, wer die sexualisierte Gewalt ausgeübt hat.
Intersektionalität
Gewalt und sexualisierte Gewalt gegen Frauen, Mädchen, trans-, inter- und non-binäre Personen verstehen wir vor dem Hintergrund einer feministischen Gesellschaftsanalyse als Gewaltformen, die Ausdruck patriarchaler Gesellschaftsstrukturen sind und zugleich das Ziel haben, diese Strukturen aufrecht zu erhalten.
Neben Diskriminierungen, die geschlechtsbezogen sind, gibt es weitere Kategorien entlang derer gesellschaftliche Diskriminierungen und Ungleichbehandlungen verlaufen. Dafür stehen zum Beispiel die Begriffe
Eine intersektionale Perspektive einzunehmen bedeutet, diese verschiedenen diskriminierenden Zuschreibungen und deren Auswirkungen in den Blick zu nehmen. Das Zusammenwirken verschiedener Diskriminierungen ist dabei in seinen Ausprägungen und Folgen mehr als nur eine reine Aufsummierung einzelner Benachteiligungen, also auch mehr als eine reine Mehrfachdiskriminierung.
Im FRAUEN NOTRUF beschäftigen wir uns seit einiger Zeit vermehrt mit diesen Themen und bemühen uns, diese Auseinandersetzung und Perspektive auch in unseren Angeboten, in unseren Materialien und der Außendarstellung sowie zukünftig bestenfalls auch durch unsere Teamzusammensetzung zum Ausdruck zu bringen. Dies ist ein fortlaufender Prozess, an dessen Anfang wir aktuell stehen.